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Kräutertee mit Blutdruck- und Diabetesmedikamenten: Was bedeuten die In-vitro-Interaktionen?

Laborszene mit Kräutertees, Pflanzenbestandteilen, Tabletten und Testgeräten als Symbol einer In-vitro-Arzneimittelinteraktionsstudie.

Studientyp: Laborstudie

Originalstudie

DOI: 10.1186/s40816-026-00446-0

Zugehörige Arten

Einleitung

An der University of the Free State in Bloemfontein, Südafrika, wurde am 22. Oktober 2026 eine In-vitro-Studie zu zwei kommerziellen Sela-Tees mit Lisinopril, Aliskiren und Acarbose veröffentlicht. Einige Enzymhemmungen nahmen im Labor zu; Patienten, Blutdruck und Blutzucker wurden jedoch nicht untersucht, sodass weder klinischer Nutzen noch Schaden oder Sicherheit der Kombination belegt sind.

Inhalt

Studiensteckbrief

  • Land: Südafrika.
  • Stadt: Bloemfontein.
  • Forschungsort: African Medicines Innovations and Technologies Development (AMITD), Department of Pharmacology, Faculty of Health Sciences, University of the Free State.
  • Design: In-vitro-Laborstudie, keine Patientenstudie.
  • Publikation: 22. Oktober 2026.
  • Journal: Clinical Phytoscience.
  • DOI: 10.1186/s40816-026-00446-0. [1]

Fragestellung

Untersucht wurden zwei Sela-Produkte, die für Blutdruck bzw. Blutzucker vermarktet werden, sowie ihre Effekte auf Enzyme allein und zusammen mit Lisinopril, Aliskiren und Acarbose. [1]

Die Frage ist relevant, weil Menschen pflanzliche Produkte parallel zu Arzneimitteln verwenden können. Ein Enzymsignal im Labor zeigt aber nicht, ob eine Kombination beim Menschen nützlich, schädlich oder sicher ist.

Produkte und Aufbereitung

Sela High Blood (SHB) enthielt Schwarztee Camellia sinensis, Rooibos Aspalathus linearis und Hibiskus. Sela Blood Sugar (SBS) enthielt Rooibos, Schwarztee und Aloe ferox. Die Teebeutel wurden dem AMITD gespendet. [1]

Sechs Beutel zu 1,7 g (insgesamt 10,2 g) wurden 15 Minuten in 1.500 mL kochendem Wasser aufgegossen, filtriert, eingefroren und gefriergetrocknet. Die Extraktion erfolgte dreifach. [1]

Vorläufige Zellverträglichkeit

Für SHB wurden HEK-293-Zellen, für SBS Chang-Liver-Zellen im MTT-Test eingesetzt. Die Viabilität blieb in den getesteten Bereichen über 75 %. Das ist ein zellulärer Vorbefund und kein Nachweis klinischer oder langfristiger Sicherheit. [1]

Enzyme, Arzneimittel und Wiederholungen

SHB wurde gegen ACE mit Lisinopril und Renin mit Aliskiren geprüft. SBS wurde gegen α-Amylase und α-Glucosidase mit Acarbose geprüft. Pro Bedingung gab es drei unabhängige biologische Experimente und je Konzentration drei technische Wells; das statistische n war 3 unabhängige Experimente, nicht Patienten. [1]

Ergebnisse

SHB hemmte ACE mit IC50 = 247,60 µg/mL und Renin mit IC50 = 28,38 µg/mL. SBS hemmte α-Amylase mit IC50 = 1974,00 µg/mL und α-Glucosidase mit IC50 = 4,59 µg/mL. [1]

Bei Kombinationen sanken einige IC50-Werte. Genannt wurden p=0,0076 für SHB+Lisinopril im ACE-Test und p=0,0037 für SHB+Aliskiren beim Renin-Test; auch SBS+Acarbose zeigte signifikante Änderungen. [1]

Bedeutet das eine bessere Therapie?

Nein, das lässt sich nicht ableiten. Die Studie zeigt nicht, ob entsprechende Konzentrationen im Körper erreicht werden, wie Verdauung und Stoffwechsel wirken, ob Blutdruck oder Glukose sinken, ob Arzneimittelspiegel verändert werden oder ob Hypotonie bzw. Hypoglykämie häufiger auftreten. Es gab keine pharmakokinetische oder klinische Interaktionsstudie. [1]

Evidenzstärke

Die peer-reviewte Arbeit ist nützlich zur Hypothesengenerierung, hat aber geringe klinische Aussagekraft, weil sie in vitro ist. Außerdem gelten die Ergebnisse für zwei konkrete Mehrkomponentenprodukte und nicht automatisch für Schwarztee, Rooibos, Hibiskus oder Aloe einzeln.

Es heißt… was sagt die Evidenz?

Behauptung: Verstärkt ein Kräutertee im Labor die Enzymhemmung eines Medikaments, ist die Kombination therapeutisch besser.

Urteil: Nicht belegt.

Erklärung: Ein In-vitro-Signal begründet Humanstudien, aber keinen klinischen Nutzen. [1]

Praktische Bedeutung

Die Arbeit rechtfertigt weder, Sela zu Lisinopril, Aliskiren oder Acarbose hinzuzufügen, um die Behandlung zu „verstärken“, noch eine Dosisänderung. Bei gleichzeitiger Nutzung pflanzlicher Mischprodukte sollte deren Zusammensetzung Arzt oder Apotheker bekannt sein.

Finanzierung und Interessenkonflikte

Finanziert wurde die Arbeit durch die AMITD-Plattform. Die Autoren dankten dem südafrikanischen Department of Science, Technology and Innovation, der University of the Free State und der Technology Innovation Agency und erklärten keine Interessenkonflikte. Die kommerziellen Produkte wurden vom Hersteller bereitgestellt. [1]

Fazit

Die Extrakte hemmten ausgewählte Enzyme in vitro, und einige Hemmungen verstärkten sich in Kombination mit den Arzneimitteln. Das belegt weder eine klinische Arzneimittelinteraktion noch zusätzlichen therapeutischen Nutzen oder Sicherheit bei Patienten.

Wichtiger Hinweis

Die In-vitro-Studie rechtfertigt keine Änderung der Dosis von Lisinopril, Aliskiren oder Acarbose und kein Hinzufügen eines Kräuterprodukts zur Wirkverstärkung. Stärkere Enzymhemmung in vitro beweist keine klinische Arzneimittelinteraktion oder sichere Kombination beim Menschen. Die Ergebnisse betreffen zwei konkrete kommerzielle Mischungen.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Beratung durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal.

Quellen und Literatur

  1. Evaluating the efficacy of commercial Sela tea-high blood and Sela tea-blood sugar in combination with antihypertensive and anti-diabetic drugs: an in vitro study · Quelle lesen — Clinical Phytoscience